Was ist eigentlich Sommergewinn ...
Auf auf zur schönen Wartburgstadt, die so viel Glanz und Schön- heit hat... so beginnt das Eisenacher " Bummel-Lied", gespielt von den Wartburg-Musikanten zum Kommersch...
Der Sommergewinn ist seit Jahrhunderten nicht nur ein in der Wartburgstadt beliebtes Volksfest,
sondern seit vielen Jahren eines der größten Frühlingsfeste überhaupt.
Jährlich lockt das Fest im Frühjahr tausende Zuschauer in die Stadt.
Historisch gesehen war das sogenannte "Sommergewinnen" im Laufe der Jahrhunderte einigen
Wandlungen unterworfen. Das Volksfest in seiner jetzigen Gestalt entwickelte sich
erst im letzten Jahr- hundert.
Die genauen Wurzeln des Sommergewinns lassen sich heute nicht mehr genau nachvollziehen.
Es wird angenommen, dass ein slawisches Frühlingsfest oder ein german- ischer Kultbrauch als Wiege
des Festes zu betrachten ist. Unterlagen, welche über die genauere Herkunft berichten könnten,
wurden bei einem Brand im Ratsarchiv der Stadt Eisenach im Jahre 1636 vernichtet.
Sehr wahrscheinlich ist, dass die Sitte des "Todaustreibens" im höheren Altertum allen slawischen
und deutschen Stämmen gleicher- maßen bekannt war.
Eine der ältesten Überlieferungen zum Inhalt des Sommergewinn in Eisenach stammt von 1700.
So wird hier erwähnt, dass zum Sommergewinnen die Kinder nach der Amts- oder Hauptpredigt
vor das Georgentor zogen, wo geschmückte Tannen oder Fichten standen. Hier konnten sie einen
sogenannten "Sommer" (Brezeln, gefärbte Eier, kleine Kuchen, biblische Bilder) kaufen, um ihn in
die Stadt zu tragen.
Derweil gingen die jungen Burschen und Mädchen auf den Metilstein. Sie führten ein Rad mit sich,
an das eine große Strohpuppe gebunden war. Diese wurde angezündet und den Berg hinab gerollt.
Von den Männer wurde eine hohe Tanne bestiegen, um an den Zweigen aufgehängte bunte Bänder
herabzuholen.
Im Laufe der Zeit verlor das Sommergewinnsfest einen Teil von seinem ursprünglichen Sinn.
Das brennende Rad sowie das Baumklettern wurden von der damal- igen Obrigkeit verboten, da dies
immer wieder zu Unfällen führte.
Erst 1897 fand der Sommergewinn wieder zu seiner Ursprünglichkeit zurück.
Am 25. 04. 1897 zog nach langer Zeit der erste Festzug vom Markt in die Weststadt, wo ein Winterwagen
vor die Stadt gefahren wurde und der Sommer in Form eines geschmückten Tannenbaums auf einem
Sommerwagen gewonnen wurde.
Auch eine Strohpuppe, welche den Winter symbolisiert, wurde wieder verbrannt.
Eine weitere Pause machte die Tradition dann noch einmal während des letzten Krieges.
Aber dann wurde 1949 der Sommergewinn von einigen Einwohner aus der Weststadt zu neuem Leben
erweckt. Diese Männer und Frauen (welche sich Zunft nannten) machten unser Frühlingsfest zu dem,
was es heute ist.
Aus einer recht einfachen Begrüßung der wärmeren Jahreszeit wurde der Eisenacher Sommergewinn mit
seinen Vorabenden (Kommersch) als Auftakt, den bunt geschmückten Häusern, dem umfangreichen
Angebot an Karussells und Verkaufsständen, dem Festzug und vielem mehr. Ein echtes Volksfest.
