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Sommergewinn in Eisenach

Gestern und Heute...
Currently viewing: Wissenswertes über Deutschlands größtes Frühlingsfest in der Wartburgstadt Eisenach

mediagate eisenach

Gut Ei und Kikeriki aus Eisenach...

Auf auf zur schönen Wartburgstadt, die so viel Glanz und Schön- heit hat... so beginnt das Eisenacher " Bummel-Lied", gespielt von den Wartburg-Musikanten zum Kommersch...

Nur 1974 ließ die "Landeskapelle" des Eisenacher Theaters den zünftigen Marsch zum Einzug des Mäxer erklingen, bevor das Original des Eisenacher Sommergewinn im ausverkauften Landestheater Lachstürme verursachte. Die sonst im Saal des "Hotel Stadt Eisenach" stattfindende Veranstaltung muß 1974 wegen Umbaumaßnahmen erst und bis heute einmalig im altehrwürden Musentempel der Stadt über die Bühne gehen. Zumindest technisch war das kein Nachteil, vergleicht man die Möglichkeiten des Theaters mit dem Saal des HSE in der Luisenstraße. Selten erlebte das Publikum ein ausschließlich von Laien- künstlern gestaltetes Programm perfekt auf die Bühne gebracht durch die Kollegen des Theaters.

Neben "Mäxer" und der "Tante Frieda" aus Leipzig erblickte ein neues Original im Eisen- acher Theater das Licht der Bühne. "Mäxer Junior" sang und jodelte sich in die Herzen der Zuschauer im Landestheater Eisenach.

Sommergewinn in der DDR

Natürlich gehörte auch der Sommergewinn zu den staatlich gelenkten Dingen wie fast alles in der ehemaligen DDR. Kein Festzug in den 70er oder 80er Jahren ohne einen politischen Teil zu den Errungenschaft des Sozialismus mit all seinen Symboliken. Allerdings waren die Umzüge auch etwas umfangreicher als heute und boten somit genügend Platz für wissens- wertes zwischen Geschichte und Politik. Das Konzept der Festzüge war wohl durchdacht und mit einer enormen Liebe zum Detail zusam- mengestellt. Als führende Sommergewinnler, die sich um den Eisenacher Sommergewinn besonders verdient gemacht haben, sind in diesem Zusammenhang Herbert Rimbach und Gerhard Fischer zu nennen.
Selbstverständlich sind es dutzende Aktivisten, die in der DDR zum alljährlichen Gelingen beim Sommergewinn beigetragen haben. Diese sollen jedoch an anderer Stelle später namentlich erwähnt werden. Viele waren (mehr oder weniger) Mitglied im Kulturbund der DDR/Fachgruppe Sommergewinn. So zumindest lautete die richtige Bezeichnung der Früh- lingsfest-Macher. Angehöriger weiterer Fachgruppen wie die "Wandervögel" (Fachgruppe Reisen und Touristik) machte sich ebenfalls je nach Bedarf als Gast bei den Sommergwinn- lern nützlich und fungierten als die unentbehrliche "Kleber" beim anbringen tausender Papierblüten an den Festwagen.

Stiegker Humor zum Kommersch im Jahr 1988...

Weder Mäxer, Sohn Mike noch Tante Frieda ahnten im März 1988, daß es den Eisenacher Sommergewinn in dieser Form nur noch einmal geben wird...

Die Gesangsdarbietungen, deren Texte und Ideen fast ausnahmslos aus der Feder von Günther Burkhardt alias Mäxer stammten, sorgten auf den Vorabenden (Kommersch) im Sommergewinn stets für eine ausgelassene Stimmung beim Publikum. Besonders diverse Medleys bekannter Melo- dien von Mäxer und Tante Frieda endeten selten ohne eine Zugabe- forderung der Zuschauer. So mancher Sketch, der meistens ein aktuelles regionales Problem (und davon gab es viele) humorvoll auf die Schippe nahm, sorgte für doppelte Bauchschmerzen. Einmal beim Publikum über die Laschmuskeln als auch bei den städt- ischen Behörden als häufiger Verursacher. Themen zwischen Mangelwirtschaft, Schlag- löchern und überstrapazierten Buslinien sorgten im ausverkauften Saal des Hotel Stadt Eisenach (Fürstenhof) für allerbeste Stimmung. Mit der ehemaligen DDR verschwand auch der typische Stiegker Humor des Mäxer. Aus rein gesundheitlichen Gründen gab das Henner und Frieder als Nachfolger auf die Bühne gebrachte Original 1989 den Nebenberuf als Humorist auf.

Die unvergessenen Originale Henner und Frieder

Eine heitere Weinlaune im August 1928 gilt als Ursprung einer humorvollen Idee. Kunstmaler Paul Hempe soll den Unterhal- tungsteil der "Eisenacher Tagespost" mit lustigen Zeichnungen und Texten bereichern.

Rein zufällig kam Paul Hempe an diesem Abend im August 1928 auf dem Heimweg an der Gaststätte "Rodensteiner" vorbei. Gerne gesellte sich der Kunstmaler zu einer heiteren Runde, der auch sein Freund Dr. Felix Kühner (Eisenacher Tagespost) und Professor Hermann Nebe (Burgwart auf der Wartburg) angehörten. Aus der Bitte von Dr. Felix Kühner entstanden über viele Monate hinweg die beiden Figuren "Henner und Frieder". Tagelang saß Paul Hempe am Reißbrett und malte "Männchen" bis der kleine Dicke und der lange Dürre das richtige Format hatten. Frieder als der geistig überlegene und Henner als der einfältig naive sorgten von nun an für fröhliches Gelächter beim schmökern der Wochenendbeilagen. Henner und Frieder kamen natürlich vom Stiegk (Ehrensteig in Eisenach West), sprachen Stiegker Dialekt und nahmen heiter regionale Vorfälle aufs Korn. Schnell kam Oberlehrer Fritz Reinhardt auf den Gedanken, die beiden Urtypen müssten menschliche Gestalt annehmen. In seinem Volksstück "Miele" traten dann Kurt Hesse als Henner und Albert Fehr als Frieder 1932 erstmalig "in natura" auf. Das Sommergewinnsfestspiel wurde ein großer Erfolg mit insgesamt 26 Aufführungen. Bis 1974 sorgten "Henner und Frieder" beim "Sommergewinn" in Eisenach für den echten Stiegker Humor. 1964 entdeckte Kurt Hesse alias Frieder das komische Talent von Günther Max Burkhardt. Nach der Idee von Herbert Rimbach, einen "Mäxer" mit Stiegker Mundart auftreten zu lassen, entwarf Kurt Hesse die neue Figur. Das einzige direkt von Henner und Frieder abstammende Original war geboren...

Die Originale Henner, Frieder und Mäxer im Jahr 1965

Nur sehr wenige Aufnahmen zeigen die 3 echten Originale des Eisenacher Sommergewinn auf einem Bild wie hier vor dem Rat- haus am Marktplatz im Jahr 1965 gemeinam mit dem damaligen Bürgermeister Sigfried Möckel.

Natürlich konnte Kurt Hesse (der lange Henner) 1965 noch nicht wissen, wie sich Mäxer (als Sohn der Figur des Henner) in den kommenden Jahr- en entwickeln wird. Bereits zu den noch aktiven Zeiten von Henner und Frieder (bis 1974) wurde der Bibi (Hut) tragende Mäxer zum neuen Publikumsliebling im Sommergewinn. In Mundart und mit jeder Menge Humor erheiterte das "Stiegker Trio" besonders zu den Fest- umzügen durch die Eisenacher West- und Innenstadt die Zuschauer am Straßenrand. Auf dem Marktplatz wurden die Humoristen vorm Rathaus bereits von der städtischen Promi- nenz erwartet. 1965 begrüßte der damalige Bürgermeister Sigfried Möckel Kurt Hesse (der lange Henner), Albert Fehr (der dicke Frieder) und den "jungen" Mäxer alias Günther Burk- hardt mit einem "Gut Ei und Kikeriki".

Gute Bildung aus alten Sommergewinnheften

Wer ein Heimatfest bewusst erleben möchte, sollte seine Heimat auch kennen. Wer als Besucher kommt, will die Heimat des An- deren kennenlernen. Bildung für Jedermann boten die kleinen Heftchen zum Sommergewinn.

Grob gesehen ist der Sommergewinn neben seinen historischen Urspüng- en ein Heimatfest und wurde in der Vergangenheit auch so bezeichnet. Zu Zeit der DDR bis in die heutigen Tage hat das Frühlingsfest Jahr für Jahr ein Motto, häufig nach einer regionalen Besonderheit im Datum ausgewählt. Speziell in der ehemaligen DDR war das richtige Thema von sehr großer Bedeutung. Ideologisches im Sinne des Sozialismus stand meistens im Vordergrund. Als bestes Beispiel könnte hier das Motto des Sommergewinns von 1971 dienen: "Jubiläen im Festzug - 25 Jahre SED, FDJ, VEB sowie den XXIV. Parteitag der KPdSU". Mehr Sozialismus in einer Losung geht nicht. Vorwiegend herrschten zumindest im Motto historische oder stadtbezogene Themen vor. Allerdings gab es in der DDR keinen Festzug ohne einen politischen Teil. Es gehörte eben dazu, die Errungenschaften des Staates angemessen zur Schau zu stellen. Alles, was der Zuschauer am Straßenrand über den Festzug samt Motto und allen Drum und Dran wissen sollte, konnte man lesend den sogenannten Sommergewinnsheften entnehmen.